Komitee Frakturen

Vorsitzende

Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann

PD Dr. med. Matthias Krause

Mitglieder

Dr. med. Lena Alm

PD Dr. med. Christoph Domnick

Dr. med. Kai Fehske

PD Dr. med. Kaywan Izadpanah

PD Dr. med. Clemens Kösters

Dr. med. Mirjam Neumann

Prof. Dr. med. Michael Raschke

Prof. Dr. med. Norbert P. Südkamp

PD Dr. med. Johannes Zellner

Das Komitee-Team

Jahresbericht 2019

Tibiakopffrakturen sind mit einer Inzidenz von 10,3 pro 100.000 Einwohnern zwar selten, jedoch bei multifragmentärer Gelenkflächendestruktion häufig mit einem schlechten postoperativen Outcome assoziiert. Daher ist das Ziel der operativen Versorgung von Tibiakopffrakturen die nahezu anatomische Gelenkflächenrekonstruktion, die Wiederherstellung der physiologischen Beinachse und die Adressierung potentieller weichteiliger Begleitverletzungen unter Beachtung des häufig kompromittierten Weichteilmantels. In diesem Zusammenhang hat sich das Frakturkomitee in unterschiedlichen Projekten mit dem Ziel der optimierten operativen Versorgung gewidmet:

  1. Im Rahmen einer multizentrischen Analyse (Hamburg, Würzburg, Münster, Erlangen, Freiburg) präoperativer Computertomografien einfacher und komplexer Tibiakopffrakturen konnten wir mit Hilfe der neu postulierten 10-Segmentklassifikation zeigen, dass bei Typ C- Verletzungen in 85,9% der Fälle das insbesondere intraoperativ schlecht einsehbare postero-latero-zentrale Segment betroffen war. Außerdem konnte gezeigt werden, dass gerade bei älteren Patienten Niedrig-Rasanz Traumata zu einer multifragmentären Destruktion auch des medialen Tibiaplateaus führt. In Zusammenschau mit dem etablierten 3-Säulen Model von den Kollegen um Luo et al. bietet die neue DKG-assoziierte Tibiakopf-Klassifikation eine wertvolle Hilfestellung in der präoperativen Planung zur korrekten Zugangsauswahl. Im Schrifttum findet sie bereits breite Erwähnung. Ihre Alltagstauglichkeit bedarf jedoch noch weiterer klinischer Validierungsstudien. Darüber hinaus wurde mit der Beschreibung einer apple-bite Fraktur eine neue isolierte Frakturentität der postero-lateralen Tibiakopffraktur beschrieben. (Krause et al. Injury 2016; Krause et al. Injury 2017; Krause et al. Int Ort 2017).
  2. In einer weiteren und von der DKG im Rahmen einer Nachwuchsförderung unterstützten Studie zur Evaluation der intraoperativen Darstellbarkeit des lateralen Tibiaplateaus erfolgte der Vergleich zwischen etablierten erweiterten lateralen Zugängen (Fibulaosteotomie vs. Laterale Epikondylusosteotomie mit oder ohne Popliteussehnenansatz). Hier konnte gezeigt werden, dass die erweiterten Zugänge erwartungsgemäß eine größere Gelenkflächeneinsicht ermöglichen. Im Ausmaß der Darstellbarkeit zeigte sich die Fibulaosteotomie der lateralen Epikondylusosteotomie einschließlich der femoralen Außenband- und Popliteussehnenansatzes signifikant überlegen. Die laterale Epikondylusosteotomie inkl. Popliteussehnenansatzes ermöglichte darüber hinaus eine signifkant bessere Einsicht im Vergleich zur isolierten Osteotomie des lateralen Außenbandansatzes. Die Publikation befindet sich derzeit im
  1. In einer biomechanischen Studie wurde in Münster unter der Leitung von Prof. Michael Raschke, PD Dr. Clemens Kösters und PD Dr. Christoph Domnick die quantitative Auswirkung einer postoperativen Stufe des lateralen Tibiaplateaus auf die intraartikulären Druckverhältnisse untersucht. In der Auswertung zeigte sich, dass es lateral schon ab einer Stufe von 2mm schon zu einer signifikanten Druckerhöhung von deutlich über 50 kPa kommt, der also nicht mehr vom Außenmeniskus kompensiert werden kann. Dieser Effekt ist am stärksten bei 60° Gelenkflexion, spiegelt sich aber auch in anderen Gelenkstellungen wider. Die Publikation befindet sich in der Fertigstellung. Folgearbeiten zur Evaluation der coronaren Frakturebene auf die Druckauswirkung sind in Planung.
    1. Neben der Beschreibung der isolierten postero-lateralen Tibiakopffraktur als sog. Apple-Bite Fraktur und ihrem Einfluss auf die antero-laterale Rotationsinstabilität, rückt die postero-laterale Tibiakopffraktur insbesondere im Rahmen von vornehmlich ligamentären Verletzungen wie der vorderen Kreuzbandruptur in den wissenschaftlichen Fokus. Im Rahmen einer multizentrischen Arbeit besteht das Ziel der Charakterisierung der postero-lateralen Impression im Rahmen der Ligamentverletzung. Neben der Charakterisierung weichteiliger Verletzungsmuster sollen auch das klinische Outcome entsprechend der unterschiedlichen Versorgungskonzepte in der retrospektiven Analyse evaluiert werden.
    Neben dem Tibiakopf stellt auch die Patella einen Forschungsschwerpunkt. Die Patellafraktur erfordert aufgrund ihrer herausragenden funktionellen Bedeutung für den Streckapparat der unteren Extremität im Rahmen ihrer Aufgabe als Hypomochlion und ihrem Einfluss auf die Quadrizepskraft eine nahezu anatomische Rekonstruktion und vor allem stabile Fixation. Als ehemals osteosynthetischem Goldstandard wurde der Zuggurtungsosteosynthese lange die Umwandlung von Zug- in Druckkräfte zugeschrieben, was im biomechanischen Modell vor allem in strecknaher Position nicht bestätigt werden konnte. Entsprechende Komplikationsraten mit K-Draht Migration und konsekutiver Weichteilkompromittierung, Repositionsverlusten sowie Materialbrüchen wurden in bis zu 55% der Fälle beschrieben.
  1. Unter der Leitung der Freiburger Arbeitsgruppe um Prof. Norbert Südkamp und Frau Dr. Mirjam Neumann wurde die biomechanische Primärstabilität von neuartigen winkelstabilen Plattensystemen zur Versorgung von mehrfragmentären Patellafrakturen untersucht. Nach Etablierung eines reproduzierbaren Patellafrakturmodelles, welches nach Auswertung von 50 CT’s multifragmentärer Patellafrakturen Typ AO/OTA 34-C3 und digitaler Subtraktionsanalyse erstellt wurde, konnte eine statistische Überlegenheit der winkelstabilen Plattenosteosynthese nachgewiesen werden. Die mittlere Frakturdislokation zu Beginn der biomechanischen Testung (von 90° Knie-Flexion zu freier Extension) zeigte 0.6 ± 0.5mm und 0.8 ± 0.5mm Frakturdislokation nach 100 Testzyklen. Die Vergleichsgruppe mit Hybridosteosynthese (kanülierte Zugschrauben mit anteriorer Drahtcerclage) zeigte eine mittlere Frakturdislokation von 3.7 ± 4.7mm zu Beginn und 4.5 ± 4.9mm nach 100 Testzyklen (p=0.036 zu Beginn, p=0.025 nach 100 Testzyklen). Die Publikation befindet sich in der Fertigstellung.

 

  1. Aufgrund der Vielfalt der Frakturkonstellationen und den jüngsten Entwicklungen moderner Therapiekonzepte erfolgte auf Initiative von Dr. med. Kai Fehske, M.A. eine Umfrage unter sämtlichen Mitgliedern der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) und DKG (Deutsche Kniegesellschaft) zur aktuellen Versorgungssituation in Deutschland. Innerhalb von 2 Monaten beantworteten mehr als 570 Kollegen unterschiedlichen Weiterbildungsstandes und Versorgungsschwerpunktes relevante Fragen zur präoperativen Planung, operativen Versorgungstechnik und Nachsorge. Erste Ergebnisse werden auf dem Jahreskongress der Deutschen Kniegesellschaft 2019 in Hamburg präsentiert.

 

Ausblick

Neben der Fertigstellung laufender Projekte soll im Jahre 2020 ein Fokus auf die Charakterisierung der postero-lateralen Tibiakopffraktur bei Ligamentverletzung gelegt werden. Desweiteren ist das Ziel die erstmalige Anfertigung einer Versorgungsleitlinie „Tibiakopffraktur“ auf S2k Niveau. Im Bereich der Patellafraktur wird die Implementierung einer biomechanischen und klinischen Studie zum Vergleich der plattenosteosynthetischen Versorgung von C3 Frakturen mit und ohne Tonnencerclage angestrebt.